Agilität! VUCA! Was? (1)

In Trainings und bei Coaching-Aufträgen bei Kunden werde ich immer wieder gefragt: Warum sollen wir denn ‚Agile‘ arbeiten? Wozu ist das gut?

Weil wir in einer VUCA-Welt leben! – die schnelle Antwort. 😉

Doch damit können die wenigsten etwas anfangen. Natürlich gebe ich eine ausführlichere Antwort. Dies möchte ich jetzt in diesem Blog mal verschriftlichen.

Ich splitte diesen Artikel in zwei Teile. In diesem ersten Teil möchte ich (m)eine Sichtweise geben, was Agilität ist. Im zweiten Teil geht es dann darum, den Begriff VUCA detailliert zu erklären.

Was ist Agil?

Eine Frage, die meistens mit der oben genannten mitkommt ist: Was ist denn eigentlich ‚Agile‘? Was bedeutet das?

Es gibt darauf keine eindeutige, abschließende Antwort.

Im Jahr 2001 trafen sich 17 Herren aus der IT-Branche in Utah, die eines gemeinsam hatten: sie vertraten einen leichtgewichtigen Ansatz bei der Entwicklung von Software. Nach einer Woche Skifahren, gut Essen, beim Kamin sitzen und Reden haben sie gemeinsam das Agile Manifest verabschiedet. In diesem haben sie das Wort Agilität (Agile) als Bezeichnung für das, was sie tun festgelegt und sich auf vier Werte und zwölf Prinzipien verständigt, die sie alle vertreten.

Seitdem ist viel Zeit vergangen und die Agilität hat eine Reihe von Konkretisierungen, Normierungen, Ausschmückungen und Anpassungen erfahren. Man kann sich in diesem Kosmos richtig verlieren. Immer mehr der ehemaligen Protagonisten kommen an einen Punkt, wo sie das Wesen / den Kern der Agilität wieder hervorheben wollen.

Ich möchte hier den Ansatz von Josh Kerievsky – Modern Agile – aufgreifen, da er für mich das Wesentliche beschreibt.

Das wichtigste vorab: Agilität bedeutet einen Paradigmenwechsel; ein Wechsel in der Haltung und den Werten, die meinem Handeln zugrunde liegen. Weg von dem „klassischen“ Management (was häufig mit ‚Command and Control‘ bezeichnet wird), hin zu einem humanistischen Menschenbild.

Modern Agile beschreibt vier Dimensionen, wie es auch Sacha schon in seinem Blog beschrieben hat.

      1. Mach Menschen genial.
        Stelle den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt deines Tuns. Den Kunden? Ja, natürlich! Aber auch deine Mitarbeiter, deine Teamkollegen, deinen Lieferanten! Was braucht es, damit diese Menschen sich genial fühlen können? Das bedeutet auch, den Anderen ernst nehmen, mit ihm wirklich in Dialog zu treten und gemeinsam daran zu arbeiten, auch andere genial zu machen.
      2. Experimentiere und lerne zügig
        Dahinter steckt die Haltung, dass man sich permanent den aktuellen, sich ändernden Gegebenheiten anpasst. In kleinen Schritten bewegen wir uns vorwärts. Die Welt dreht sich schnell, immer schneller. Und wir leben in einer komplexen Welt, der mit einer langfristigen Planung nicht mehr beikommen kann. Daher machen wir kleine Experimente – Safe-to-fail, wie man sagt: sie sind so klein, dass sie, wenn wir scheitern, nicht übermäßig weh tun. Aus diesen Experimenten versuchen wir kontinuierlich zu lernen. Hat geklappt: weiter! Hat nicht geklappt: okay, was anderes ausprobieren. Mit dieser Bereitschaft, Fehler zu riskieren, können wir schneller lernen und uns der Umgebung anpassen. Und viele dieser kleinen Experimente bringen uns langfristig an das Ziel.
      3. Liefere fortlaufend Wertvolles aus
        Eines der wesentlichen Prinzipien der Agilität ist eine frühzeitige und kontinuierliche Auslieferung. Ein Prinzip des Agilen Manifestes lautet:

        „Unsere höchste Priorität ist es, den Kunden durch frühe und kontinuierliche Auslieferung wertvoller Software zufrieden zu stellen.“

        Wir liefern in kurzen Iterationen (von 1 bis 4 Wochen) etwas „Fertiges“ aus, was dem Kunden einen Mehrwert liefert. In der Praxis mag das manchmal etwas schwierig sein, dem Kunden in so kurzen Zyklen etwas zu liefern, was er nutzen kann. Softwareentwicklung mag sich da leichter tun, in der Produkt- oder Prozessentwicklung meinen viele, das geht nicht. Es geht hier jedoch darum, ein generelles Verständnis dieser Dimension zu bekommen:  Woran kann der Kunde den Fortschritt der Arbeit erkennen und Feedback geben? Wie wird für ihn sichtbar, in welche Richtung sich das Ergebnis entwickelt? Auch wenn keine fertige Funktionalität ausgeliefert wird, so kann er durch die fortlaufende Auslieferung den Fortschritt und die Richtung erkennen und man kann frühzeitig gegensteuern, um so die wirklichen Kundenbedürfnisse zu befriedigen. Auch das ist wertvoll.

      4. Macht Sicherheit zu einer Grundvoraussetzung
        Google hat in einer Studie mit dem Namen ‚Aristotle‘ mit über 180 Teams versucht herauszufinden, was Teams zu „Dreamteams“ macht. Dabei haben sie erkannt, dass eines der wesentlichsten Merkmale (neben 4 anderen) die ‚Psychologische Sicherheit‘ ist: Fühlt sich jede(r) im Team sicher dabei, Risiken einzugehen? Auch diverse andere Studien zeigen, dass das Gefühl von Sicherheit dazu beiträgt, entspannt zu sein, besser zu lernen, kreativ zu sein. Und genau darum geht es, wenn wir heute Teams haben wollen, die auf die täglichen Herausforderungen adäquat reagieren können. Aber es geht Kerievsky nicht nur um die menschliche Sicherheit, es geht auch darum, die Zusammenarbeit, unsere Produkte und Services resilient und sicher zu machen.

Betrachtet man sich diese Dimensionen, so wird klar, wenn man Agiltät ernst meint, dass es sich wirklich um einen Paradigmenwechsel handelt. Der Blick geht weg davon, irgendwelche Frameworks (wie Scrum, Kanban, SaFe, ….) anzuwenden. Der Blick geht hin zum Menschen.

Im zweiten Teil gehe ich dann auf den Begriff VUCA ein.

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